Stehen Sie noch auf der Bremse?

Stehen Sie noch auf der Bremse?

 

pit-crewSchimpfen Sie auch öfter über die Gesetzgebung? Sind Sie der Meinung, daß Ihr Unternehmen dadurch eingebremst wird? Oder sind es vielleicht doch andere Faktoren, die Ihr Unternehmenswachstum stagnieren lassen?

Wie Sie es schaffen können, trotz einschränkender gesetzlicher Regelungen Ihr Unternehmen auf Wachstumskurs zu bringen, darüber unterhalte ich mich heute mit Bianca Traber, Inhaberin der Mehrwertfabrik, der Wachstumsbeschleuniger für Personaldienstleister.  http://www.diemehrwertfabrik.de


Viele Personaldienstleister klagen darüber, dass Sie durch immer neue gesetzliche Regelungen in ihrem Wachstum eingeschränkt werden. Ist es wirklich so, dass Wachstum allein vom Gesetzgeber abhängt?

Wäre das nicht tragisch, wenn das Wachstum eines Unternehmens/Unternehmers wirklich allein vom Gesetzgeber abhängen würde? Wäre das Unternehmen dann wirklich ein freies Unternehmen oder eher ein staatlicher Betrieb?

Mir ist klar, was Sie mit dieser Frage meinen und als Unternehmerin sage ich ganz klar: Nein. Weil ich an die Gesetze und Regeln des Marktes glaube und die Eigenverantwortung als Unternehmer. Alles andere sind Rahmenbedingungen und Umweltbedingungen, denen ich mich permanent anpassen muss. Auch habe ich, wie in allen anderen Lebensbereichen, immer eine Wahl.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre eindeutig gegen diese Annahme spricht. Lassen Sie uns gemeinsam an Hand der vorhandenen Statistiken die  Reformen und Änderungen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung näher beleuchten.

Ein Beispiel

Schauen wir uns den Werdegang der Reformen an, die seit 1982 in Kraft getreten sind und gleichzeitig die Entwicklung jeweils nach den Reformen an, zeigt sich in den meisten Fällen sogar ein Anstieg des Wachstums. Hier ist zu beachten, dass die neue Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung rückwirkend erst ab dem Januar 2013 verfügbar ist, die Zeitreihe in Abbildung 2 beruht bis Dezember 2012 daher auf der alten Statistik.

Reformen in der ANÜ_Zusammenfassung

 

Entwicklung Zeitarbeitnehmer seit 1980

 

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Zeitarbeit – aktuelle Entwicklungen Januar 2016

Was wir sehen können ist, dass die Zeitarbeitsbranche lange Zeit mit hoher Dynamik gewachsen ist. Lediglich für kurze Zeitspannen zeigen sich Unterbrechungen im Wachstum oder phasenweise Rückgänge. Besonders in den Jahren der Wirtschaftskrise 2008/2009.

Ist das Gegenteil der Fall?

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen. Wenn wir uns die Zahlen und Fakten anschauen, erkennen wir eher einen gegenläufigen Trend. Das heißt: Einen deutlichen Anstieg vor allem nach den Zeitpunkten der wichtigsten rechtlichen Änderungen.

Zum Beispiel lag 1993 die Zahl der Zeitarbeiter bei jahresdurchschnittlich 114.000 Arbeitskräften. Bereits fünf Jahre später hatte sich diese Zahl verdoppelt. Und besonders die rechtlichen Änderungen im Rahmen der Hartz-Gesetze führten zu einer weiteren Expansion der Branche. Im Juni 2015 gab es 961.000 Zeitarbeitnehmer in Deutschland (revidierte Statistik) Ein Teil des Anstieges erklärt die Bundesagentur für Arbeit mit der Umstellung des statistischen Verfahrens seit 2013.

Die andere Seite der Medaille

Mit dem Wachstum des Marktes ist auch der Anteil der Verleihbetriebe angestiegen. Vermutlich entsteht auch dadurch der Eindruck, dass die gesetzlichen Änderungen eine mögliche Ursache dafür sind, weil der Markt in den vergangenen Jahren auch nur im einstelligen Bereich gewachsen ist.

Fakt ist, wenn der Markt gesättigt ist, werden die Verteilungskämpfe um Kunden und Bewerber immer härter und es werden mehr Ressourcen benötigt als vorher.

Ergebnisse der Umfrage: Wachstumshindernisse 2016

Im Januar dieses Jahres habe ich eine Umfrage zum Thema Wachstumshindernisse 2016 gestartet. (Die Ergebnisse finden Sie hier http://diemehrwertfabrik.de/2016/02/13/ergebnisse-der-umfrage-zeitarbeit-2016-2/)

 

Dabei standen 5 Themen zur Auswahl. Darunter auch 2 gesetzliche Themenschwerpunkte wie, die bevorstehende Beschränkung der Höchstüberlassungsdauer und die geplante Entgeltgleichstellung.

Umfrage-Zeitarbeit-2016-Wachstumshürden

 

Dabei kristallisierte sich heraus, dass die derzeit größte Wachstumsbremse eher im Gewinnen der richtigen Bewerber gesehen wird. Erst dann folgte auf Rang 2 die bevorstehende Beschränkung der Höchstüberlassungsdauer. Hierin sehen jedoch weniger als die Hälfte in dieser Thematik eine Wachstumshürde, obwohl schon zu diesem Zeitpunkt den Teilnehmern klar war, dass es hier zu gesetzlichen Änderungen kommen wird.

Die zentrale Frage, die ich mir beim Thema Bewerber immer wieder stelle, ist: Habe ich die richtigen Kunden?

FAZIT

Konjunktur, Regulierungen und vieles mehr: nicht beinflussbar. Produktivität, Erfolg und Performance? Haben Sie selbst in der Hand!

Die Sicht, Wachstum allein von gesetzlichen Änderungen und Entwicklungen abhängig zu machen, ist nicht nur gefährlich, sondern wäre sicher auch zu kurz gegriffen. Hinzu kommen die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die Rahmenbedingungen des jeweiligen Teilmarktes vor Ort. Zeitarbeit ist immer noch ein regionales Geschäft.

Auch spielen Themen der eigenen Haltung und Selbstverständnis als Unternehmer eine große Rolle für Wachstum.

Welche Wachstumsbremsen innerhalb eines Unternehmens gibt es?

Das ist eine sehr gute Frage, weil sich viele Unternehmen regelrecht darauf konditioniert haben, erst einmal im äußeren nach Hindernissen zu schauen.

Das ist auch menschlich und verständlich, weil man teilweise so stark im Alltagsgeschäft eingebunden ist, dass für Wachstumsthemen oft sehr wenig Zeit bleibt. Genau hier liegen jedoch der größte Engpass und das größte Hindernis. Sich selbst Zeit und Freiraum zu geben zum Nachdenken, Reflektieren, Beobachten. Am Wichtigsten jedoch zum Vordenken.

In unserer täglichen Praxis beobachten wir immer wieder, dass es immer wieder die gleichen Themen sind, die Wachstum nicht nur bremsen, sondern komplett zunichte machen können:

  • Wachstumskiller No. 1 „Die Macht der Gewohnheit“
  • Wachstumskiller No. 2 „Toter Winkel“ – Was nicht gesehen wird, existiert auch nicht?
  • Wachstumskiller No. 3: „Blindleistungen“
  • Wachstumskiller No. 4 „Verwöhnte Organisation“ Wo ist der Hunger geblieben?
  • Wachstumskiller No. 5: „Wir haben genügend Anfragen!“ Wie sichern Sie den Besetzungserfolg?

 

Was können Unternehmer tun, um diese Wachstumsbremsen zu lösen?

Weil es unendlich viele Möglichkeiten und keine Patentrezepte gibt, die für alles und jeden passen, können Fragen (Wie? Welche? Was) dabei helfen, Probleme zu lösen oder sich weiterzuentwickeln.

Wenn wir uns jedoch die 5 Wachstumskiller anschauen, könnten wir uns zum Beispiel folgende Fragen stellen:

  • Welche Erfolgsfaktoren und welche Prozesse bestimmen meine Wertschöpfung und damit mein Wachstum? Wie kann ich die tägliche Arbeit darauf ausrichten?
  • Wie kann ich in meinen Unternehmen sicherstellen, dass es gar nicht erst zu gefährlichen Routinen und Stillstand kommt?
  • Wie kann ich sicherstellen, dass kostspielige und zum Teil existenzgefährdende Blindleistungen gar nicht erst entstehen? Oder wenn Sie bereits entstanden sind: Wie kann ich diese erfolgreich eliminieren?
  • Wie kann ich immer hungrig bleiben und den Status quo hinterfragen?
  • Welche Kriterien muss ich ansetzen, um mich verstärkt auf die Aufträge, Kandidaten und Prozesse zu konzentrieren, die den größten Beitrag zur Wertschöpfung leisten?
  • Was bringt mich genau in diesem Moment meinem angestrebten Ziel näher?

Der letzte Punkt ist der Wichtigste. Denn die Konzentration auf die permanente Erhöhung der Wertschöpfung erzeugt eine Sogwirkung. Dabei geht es konkret um den Beitrag der Wertschöpfung, für den der Kunde auch bereit ist zu bezahlen. Denn das allein ist bestätigte Unternehmerleistung.

Man wird mit der Zeit ein bisschen “betriebsblind”. Wie kann man trotzdem Wachstumshindernisse erkennen?

Es kann hilfreich sein, sich zwei Dinge klar und bewusst zu machen.

Das erste ist, sich den Zweck seines eigenen Unternehmens immer wieder bewusst zu machen. Sich also immer wieder die Frage zu stellen, welchen Unterschied mache ich mit meinem Unternehmen aus? Was würde dem Markt, den Kunden, den Bewerbern fehlen, wenn es mich nicht geben würde? Wie kann ich mit meinem Unternehmen den Unterschied machen?

Der zweite Punkt ist, sich immer wieder klar darüber zu werden, dass der souveräne Umgang mit Veränderung zum Alltagsgeschäft gehört.

Hier hilft eine Methode, die ursprünglich einer Militärstrategie der United States Air Force entstammt und von Colonel John Boyd entwickelt wurde. Diese besteht aus 4 Teilen, die sich wiederholen (https://en.wikipedia.org/wiki/OODA_loop)

OODA-Loop

  • Observe – beobachten
  • Orient – orientieren
  • Decide – entscheiden
  • Act – handeln

Inwiefern können externe Spezialisten die Unternehmer dabei unterstützen?

Externe Spezialisten können grundsätzlich hilfreich sein, wenn es darum geht, bestimmte Themen aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Testen Sie jetzt in 1 Minute und 30 Sekunden, wie schnell Ihnen dieser Perspektivenwechsel gelingt:

 

Selbst wenn Unternehmen es schaffen, sich selbst zu hinterfragen, Dinge auch aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten, kann der richtige Zeitpunkt oft erfolgsentscheidend sein. Die meisten holen sich erst dann Unterstützung, wenn nicht mehr viel oder im schlimmsten Fall gar nichts mehr geht. Im besten Fall ist der Aufwand größer, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Im schlimmsten Fall droht der Ruin.

Um den richtigen Zeitpunkt zu finden hilft ein Zitat von Eduard Mörike: „Es gibt keinen Applaus für die Vergangenheit – wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein.“

Wann ist für Sie der richtige Zeitpunkt, um die Perspektive zu wechseln?


Zur Zeit dreht sich hier im Blog alles um das Thema Unternehmer werden und sein.

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